PoetrySlam „ Kleine Schritte “ über die Kunst sich Zeit zu nehmen und die Gabe wieder einfache Dinge als wunderbar zu sehen. März 2017. Carsten Pohl. Chemnitz.

Kleine Schritte

Neulich war ich wieder unterwegs
des Weges in Gedanken und beim Renn‘,
bis sie mich ertappt hat und kühl und knapp von mir abblies,
los ließ und sich fallen lies, zurück in ihren kleinen Schritt,
mit ihren kleinen Füßen, um die Welt um sich herum zu genießen.

Alles so neu für sie, meine Tochter. Mit ihrem ersten Jahr auf Erden,
hat sie noch viel Zeit groß zu werden.
Und sie nimmt sie sich. Sie verleitet dich auch loszulassen,
abzulassen von dieser Hetzerei,
als bringe sie dir gerade bei die Zeit zu schätzen und nicht mehr zu hetzen.

Natürlich begleite ich sie. Ich verfolge sie. Auf Schritt und Tritt komm ich mit,
um sie zu bewahren vor allen Gefahren, die sie noch gar nicht kennt,
weil sie noch nicht rennt und entdeckt und in sich die Neugierde weckt,
die sie von Abenteuer zu Abenteuer trägt und bewegt.

Und dabei nimmt sie mich an die Hand,
zeigt mir unverwandt wie interessant der Weg ist,
auf den ich mich Tag für Tag, nur mit schnellen Schritte, wag‘ ,
um Ziele zu erreichen, die ich mir selber gesteckt habe
blind, weil ich denke, dass sie schnell erreichbar sind.

Ihre Schritte. Sie kann sie kaum kontrollieren und trotzdem will sie jeden Weg mit ihnen ausprobieren.
Jede Bewegung, ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt in die Welt,
wie sie uns, mir, sicher gefällt, wenn wir sie ab und zu wieder durch Kinderaugen sehen,
kleinere Schritte machen, bewusster vorwärtsgehen.

Ich will mich öfter von ihr aufhalten lassen,
meine Welt kann ruhig verblassen,
wenn ich dafür mit in ihre kommen, wieder inne halten und stolpern darf.
Ich will nicht mehr so oft rennen, will mich von Zielen trennen,
die ich nicht erreiche, weil ich sie blind gesteckt und verfolgt habe.
Ich möchte, ihre Gabe wieder kürzer zu gehen,
wieder bewusster zu sehen, um spontan die Richtung zu ändern.
Will mit ihr neue Welten entern und meine ganze Familie mit auf die Reise nehmen,
wie neulich als ich des Weges in Gedanken anfing zu wanken,
weil meine Tochter von meiner Hand lies und mir bewies, dass es noch eine andere Richtung gibt.

cp

 

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