Der Text „Im Spiegel“ über das Zweifeln an sich selbst und überflüssiger, negativer Gedanken und Ängste. September 2017. Carsten Pohl. Chemnitz.

Im Spiegel

Ich bin mir sicher, dass es viele schon getan haben. Sich vor einen Spiegel gestellt und gefragt haben. Wo stehe ich jetzt? Wo komme ich her? Was hab` ich erreicht und kommt da noch mehr?

Ist das schon alles gewesen, außer Spesen nix gewesen und vom Wesentlichen zu wenig. Vom Eigentlichen eigentlich nur Etwas und wenn mal was da war, dann vor lauter Hektik verpasst. Viel zu viel Stress für die schönen Dinge. Und ich dachte, ich wäre es dem es gelinge, alles unter einen Hut zu bekommen.


Vor dem Spiegel stehe ich und schaue mich an. Kommt da noch etwas, was ich gut kann? Hab` ich bisher überhaupt was erreicht und in diesem Moment zupft es ganz leicht an meinem Hosenbein.

Mein Blick nach unten gerichtet fängt den meiner Tochter ein. Worte brabbelnd sieht sie zu mir auf und setzt für den Moment alles darauf, dass ich sie zu mir hole, hochnehme und küsse, denn sie ist der Meinung, dass sie schauen müsse was da im Spiegel ist, in dem ich bis eben noch war.

Doch jetzt stellt er jemanden anderen dar. Einen Mann, der so viel Glück schon in Händen trägt. Dessen versteckter Erfolg alles aufwiegt, woran er all die negativen Gedanken verschwendet. Und es ist Zeit, dass er dieses Denken beendet.

Mein Sohn in der Tür wünscht mir einen guten Morgen. Er stellt sich auf einen Tritt und schaut ohne Sorgen in den Spiegel hinein, zu den Dreien, die da entgegenblicken. Es dauert nicht lang und voller Entzücken steht meine Frau hinter mir und flüstert nur leise: „Was du siehst gehört dir.“.

Noch immer schau ich in den Spiegel hinein, doch egal was ich sehe, ich bin nicht allein. Und nur weil ich es gerade nicht sehen kann, heißt das nicht, dass ich nie was im Leben gewann.

cp

 

Alle Rechte bei Carsten Pohl Chemnitz, 2017 Copyright © Carsten Pohl 2017 Keine Verwendung und Vervielfältigung des Textes ohne meine Zustimmung!